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Anja Gregor



gregor

Friedrich-Schiller-Universität Jena
Bachstraße 18k
MKG-Gebäude, R. 114a
07743 Jena

Tel.: +49 (0)3641-944985

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KURZBIOGRAPHIE
  • geb. 05. September 1980 Bremerhaven
  • 2000 Abitur an der Max-Eyth-Schule in Schiffdorf (Note: 1,9)
  • 2000 - 2001 Lehramtsstudium (Gymnasium) für die Fächer Deutsch und Philosophie
  • 2001 - 2008 Magistra-Studium der Pädagogik, Geschlechterforschung und Philosophie an der Georg-August-Universität Göttingen 
  • Magistraarbeit zum Thema "Die Situation autonomer feministischer Organisationen in Niedersachsen unter Berücksichtigung der geschlechterpolitischen Sicht. Eine Untersuchung der durch Zuwendungskürzungen motivierten Handlungsmuster zweier autonomer Frauenhäuser in Niedersachsen." (Note: 1,3)
  • März 2008 - Juni 2008 Praktikum im Autonomen Frauenhaus Rostock
  • September 2008 - Februar 2009 pädagogische Mitarbeiterin in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit von Soziale Bildung e.V. in Rostock
  • Mai 2009 - August 2009 Mitarbeiterin des Sozialdienstes der Uniklinik Rostock
  • Oktober 2008 - März 2012 Stipendiatin an der Doktorandenschule Laboratorium Aufklärung
  • seit April 2012 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für allgemeine und theoretische Soziologie, Institut für Soziologie, FSU Jena und ideelle Stipendiatin der DSLA

 
DISSERTATIONSPROJEKT


Contrsucting Intersex - Zur Biographizität medizinisch normierter Intergeschlechtlichkeit

Dann bin ich zum Frauenarzt und dann weiß ich noch dass die ne Ultraschalluntersuchung gemacht hat und ich noch so meinte: "Ach, ich kann da ja immer so überhaupt nichts erkennen!" Und sie guckte mich nur ziemlich betreten an und sagte nicht viel, ja, und hinterher kam dann raus, dass ich auch nichts hätte erkennen können, weil nichts da war, […] ich hab eben keine, keine Gebärmutter, keine Eierstöcke das ist alles, aus irgendwelchen mysteriösen Gründen nicht da […] und dann hatte ich wie gesagt mit siebzehn glaub ich die Gonadektomie. (Irma, 32)

Wenn Intergeschlechtlichkeit erzählt wird, wird auchimmer vom Körper erzählt: Es müssen leibliche Erfahrungen geschildert werden. Biographische Narrationen intergeschlechtlicher Personen zeichnen sich durch eine besondere Struktur der Schilderung des Körpers und leiblicher Erfahrungen aus, thematisieren Geschlecht auf besondere, explizite Weise. Normvorstellungen von Körper, Geschlecht und den damit verbundenen leiblichen Erfahrungen, die als 'Mann' oder 'Frau' zu machen sind, um sich als Mann oder Frau zu fühlen, stehen im spannungsvollen Verhältnis zu den Erlebnissen der als 'intersexuell' diagnostizierten und medizinisch zugerichteten Personen. "Der riskierte Verlust der sexuellen Sensitivität und physiologische Komplikationen, wie Vernarbungen und Verwachsungen werden dabei in Kauf genommen. Die Herstellung der Norm wird über eine mögliche Verletzung des Körpers gestellt." (Zehnder 2011) Das leibliche Lernen der Welt, ein Zugang auch über Empfinden und Wahrnehmen, wird damit maßgeblich beeinflusst, manchmal vollständig verhindert. Erst zögerlich beginnt sich eine institutionalisierte Kritik an der juristisch, ethisch und entwicklungspsychologisch nicht unhinterfragten Praxis (vgl. Groneberg/Zehnder 2008, Kolbe 2010) der Medizin herauszubilden. Auch die Ausführungen des Deutschen Ethikrates zeigen, mit welcher Vorsicht das Thema behandelt werden will, wenn gesellschaftlich derart bedeutsame Institutionen wie der Medizindiskurs involviert sind.

Die Macht der Geschlechternormen materialisiert sich mithilfe diskursiver - medizinischer - Praktiken im intergeschlechtlichen Körper, es "wird die Idealität einer geschlechtsspezifischen Morphologie buchstäblich dem Fleisch eingraviert" (Butler 2009: 92). Diese 'Prägung' hat Konsequenzen: Es entstehen Biographien, die zwischen der Identifizierung mit der Norm und einer Selbstermächtigung, der Rückeroberung einer selbstbestimmten Körperpraxis, fluktuieren. Geschlecht gerät in den Erzählungen auf die Vorderbühne und materialisiert sich in nahezu jeder sozialen Praxis als sichtbares Interaktionsmoment. Es gibt einerseits das Bild vom unversehrten Körper, wie er sein könnte und Ideen davon, wie eine_r diesem Zustand wieder nah kommen kann (vgl. Zehnder 2010). Andererseits fungiert der zugerichtete, versehrte, Körper als Symbol für die Gewalt vergeschlechtlichter KörperNormen und der weder rational noch medizinisch eindeutig zu begründenden Praxis der Zurichtung nicht-normgerechter Körper. Die Erfahrungen der medizinischen Pathologisierung an die Öffentlichkeit zu bringen ist eine widerständige Praxis, die die Grenzen des Geschlechterdiskurses herausfordert.

Diesen Widerstreit aus intergeschlechtlichen Biographien zu filtern, Dimensionen intergeschlechtlicher Subjektivierungspraxen herauszuarbeiten, indem insbesondere Schilderungen des eigenen Körpers, des Geschlechts und die Struktur leiblicher Erfahrungen in den Fokus genommen werden, ist Absicht des Dissertationsprojektes. Eine Hauptthese der Arbeit ist, dass jene Narrative bedeutsame konstituierende Momente der Konstruktion von Intergeschlechtlichkeit sind. Durch die medizinische Praxis werden diskursive Praktiken in den Körper geschrieben und intergeschlechtliche Personen erst als 'intersexuell' medizinisch markiert, doch ist es die Arbeit am eigenen Selbstverständnis intergeschlechtlicher, zugerichteter Menschen, ihre Refelxion der Bedeutsamkeit von Geschlecht, die  mit einer Praxis der Selbstermächtigung des medizinischen Diskurs herausfordern.

 

Ausgewählte Literatur:

Alheit, Peter et al. (2002)2: Biographie und Leib. Gießen.

Butler, Judith (2009): Macht der Geschlechternormen. Frankfurt/Main.

Groneberg, Michael/Kathrin Zehnder (2008) (Hg.): "Intersex". Geschlechtsanpassung zum Wohl des Kindes? Erfahrungen und Analysen. Fribourg.

Lang, Claudia (2006). Intersexualität. Leben zwischen den Geschlechtern. Frankfurt/Main.

Stolle, Silvia/Helmuth Vetter (Hg.) (1997): Phänomenologie und Geschlechterdifferenz. Wien.

Waldenfels, Bernhard (2000): Das leibliche Selbst. Hg. Von Regula Giuliani. Frankfurt am Main.

Zehnder, Kathrin (2010): Zwitter beim Namen nennen. Bielefeld.

 



VERÖFFENTLICHUNGEN


Die Kontrolle widerständiger Körper. Eine Kritik der systematischen Pathologisierung von Intergeschlechtlichkeit. In: Filter, Dagmar/Jana Reich(Hg._in): Bei mir bist Du schön. Kritische Reflexionen über Konzepte von Schönheit und Körperlichkeit. Freiburg. (i. E.)


"Es waren zwei Königskinder... Intersexualität und Queer Poltiken: Grenzen und Möglichkeiten der geschwisterlichen Zusammenarbeit." In: arranca! Nr. 43, 2010. (S. 14-16.)


Rezensionen

Medikalisierung und Herrschaft. Rezension von Peter Andreas Bochnik (1985): Die mächtigen Diener. Die Medizin und die Entwicklung von Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus in der europäischen Geschichte. In: kritisch-lesen.de, Nr. 16, April 2012. Abrufbar unter http://kritisch-lesen.de

Im Zweifel für den Zweifel. Rezension von Christiane Völling (2010): Ich war Mann und Frau. Mein Leben als Intersexuelle. Köln. In: kritisch-lesen.de, Nr. 10, Oktober 2011. Abrufbar unter http://kritisch-lesen.de

Erste Grundlagenarbeit zur Intersexualitätsforschung. Rezension von Caroline Stern (2010): Intersexualität. Geschichte, Medizin und psychosoziale Aspekte. Marburg. In: querelles.net. Rezensionszeitschrift für Frauen- und Geschlechterforschung. Jg. 12, Nr. 2 (2011). Abrufbar unter http://www.querelles-net.de/index.php/qn/article/view/947/934

'Natürlichkeit' aus feministischer Perspektive. Rezension von Voß, Heinz-Jürgen (2011): Geschlecht. Wider die Natürlichkeit. Stuttgart. In: kritisch-lesen.de, Nr. 3, Mai 2011. Abrufbar unter http://www.kritisch-lesen.de

Doing Intersex. Heteronormative Medizinpraktiken und Widerstand der Beherrschten. (Zehnder, Kathrin (2010): "Zwitter beim Namen nenne. Intersexualität zwischen Pathologie, Selbstbestimmung und leiblicher Erfahrung". Bielefeld). In: Freiburger Geschlechterstudien 25/2011. S. 300-302




AKTIVITÄTEN


Vorträge


"Constructing (Inter)Sex. Intersexualität im Spannungsfeld von Queer Theory als Möglichkeits- und Medizin als Normwissenschaft." Vortrag an der Universität Jena, Reihe "FrauenBilder", 25. Oktober 2010.


Mitgliedschaften


Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft

Fachgesellschaft Geschlechterstudien/Gender Studies Association

Redaktionsmitglied der Freiburger Geschlechterstudien (Zeitschrift für Interdisziplinäre Frauenforschung der Uni Freiburg)