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Nikolai Münch


Friedrich-Schiller-Universität Jena
Bachstraße 18k
MKG-Gebäude, R. 104a
07743 Jena

Tel.: +49 (0)3641-944974
E-Mail

 
KURZBIOGRAPHIE
  • geb. 08.04.1981 in Neumarkt i.d.Opf.
  • 2001-2008 Studium der Politischen Wissenschaft, Neueren und Neuesten Geschichte und Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Erlangen-Nürnberg und Salamanca (Spanien)
  • Magisterarbeit zum Thema "Hermeneutik und Anthropologie bei Charles Taylor"
  • seit Oktober 2009 Stipendiat an der Doktorandenschule Laboratorium Aufklärung


 
DISSERTATIONSPROJEKT

Menschenbilder in der Biopolitik


Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms gilt als Mondlandung der modernen Biologie. Sie steht nicht nur für die Biowissenschaften als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts, sondern auch für die bisher ungekannte Beherrschbarkeit des menschlichen Lebens. Über die Anwendung der neuen biotechnologischen Möglichkeiten am Menschen wird gegenwärtig kontrovers debattiert. Dabei werden alte Fragen nach dem Menschen, dem guten Leben oder der Natur neu aufgeworfen. Das betrifft auch die politische Theorie und die Grundlagen der liberalen Demokratie. Diese politiktheoretische Dimension wird v.a. in der Debatte um die "liberale Eugenik" deutlich. Ihre Verfechter wollen gentechnische Eingriffe beim Menschen durch politische Werte wie Autonomie, Selbstbestimmung und die Ausweitung von Gerechtigkeitsüberlegungen auf "natürliche Ressourcen" legitimieren - was nicht nur die Heilung von Krankheiten, sondern auch die Verbesserung des Menschen ("Enhancement") betrifft. Gegner sehen darin einen Eingriff in fundamentale Freiheits- und Gleichheitsstrukturen, mithin die Gefahr einer Aushöhlung der Demokratie im Namen liberaler Werte.

Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel des vorliegenden Projekts, die Menschenbilder herauszuarbeiten und zu analysieren, die den verschiedenen Positionen in der Debatte um die gentechnische Gestaltbarkeit des Menschen zugrunde liegen. Dabei wird davon ausgegangen, dass das in Menschenbilder gefasste Selbstverständnis des Menschen sich darauf auswirkt, welche politischen Normierungen hinsichtlich biotechnischer Optionen als denkbar und plausibel begriffen werden. Es geht darum, mit den Menschenbildern die Leitfäden der jeweiligen Biopolitiken transparent zu machen.

In einem zweiten Schritt soll danach gefragt werden, inwiefern die Menschenbilder, die in der biopolitischen Debatte zur gentechnischen Gestaltbarkeit des Menschen sichtbar werden, auf Kategorien und Werte zurückgreifen, die in grundlegender Weise von der Aufklärung (mit-)geprägt worden sind. Wirkt auf der einen Seite der aufklärerische Gedanke fort, der den Menschen mit Hilfe modernster Technik souverän und autonom machen will, während die "Romantiker" den Verlust der Urnatur beklagen?




VERÖFFENTLICHUNGEN

Münch, Nikolai (2010): Rezension zu: Beier, Katharina. Zwischen Beharren und Umdenken. Die Herausforderung des politischen Liberalismus durch die moderne Biomedizin. Frankfurt am Main. Campus Verlag 2009. In: Politische Vierteljahresschrift 51(3), S. 553-554.


Münch, Nikolai (2011): Zur Anatomie des biopolitical turn. Mit Giorgio Agamben auf zu "neuen Königreichen der Forschung"? In: Gubo, Michael / Kypta, Martin / Öchsner, Florian (Hrsg.): Kritische Perspektiven: "Turns", Trends und Theorien. Münster u.a.: Lit-Verlag, S. 150-173.


Münch, Nikolai (i.E.): Körperverachtung oder Phänomenologie der Leiblichkeit? Eine Kritik am Transhumanismus. In: Eilers, Miriam / Grüber, Katrin / Rehmann-Sutter, Christoph (Hrsg.): Verbesserte Körper und das gute Leben. Bioethik, Enhancement und die Disability-Studies. Frankfurt a.M. u.a.: Peter Lang (im Erscheinen)


Daneben zahlreiche Kurzrezensionen für das Portal für Politikwissenschaft. Online abrufbar unter: http://www.zpolcms.de/





AKTIVITÄTEN


Vorträge

"Zur Anatomie des 'biopolitical turn'", 9. interdisziplinäre und internationale Graduiertenkonferenz: Kritische Perspektiven: 'Turns', Trends und Theorien; Erlangen, 20 -22. 11. 2009.

"Human mind and body in transhumanistic thought. 'Despisers of the body' in contrast to the phenomenological view of corporeality." Klausurwoche "Good Life better - Anthropologische, soziologische und philosophische Dimensionen von Enhancement"; Lübeck, 11. - 16.10.2010